Weimarfahrt - Q2

Warum gedenken wir? Wem gedenken wir? Wie gedenken wir?

In Weimar besuchten wir das an diesem Ort vor 100 Jahren gegründete Bauhaus und tauchten tief ein in die Weimarer Klassik. Wir standen vor Goethes Sarg, bestaunten in seinem Wohnhaus den Ort, wo der zweifache „Faust“ entstand – aber verstehen wir nur einen Vers des Meisters besser, wo wir sein Wohnhaus, sein Gartenhaus in Augenschein nahmen? Wir sahen Schillers Sarg, der nicht Schillers Gebeine enthält, und fragen uns – ist das die richtige Gedenkkultur? Besonderen Eindruck hinterließ der Rokokosaal der „Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek“. Ein echtes Schmuckstück, in dem Herder, Wieland, Schiller, Goethe aber auch Kafka, Grass und viele mehr sich inspirieren ließen. Ist dieser Ort der rechte Weg, Literatur zu inszenieren und zu archivieren?

                                                         

Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald warf die beklemmende Frage auf, was all der Humanismus bringen soll, der auch die Weimarer Klassik prägte, wenn in unmittelbarer Nähe ein Arbeitslager entsteht, dessen Ziel die zigtausendfache Vernichtung von Würde und Leben durch Arbeit ist? Wie gedenkt man dem nationalsozialistischen Verbrechenskomplex? Wie tat man es in der DDR, wie realisiert man es heute?

                                                        

Zum Abschluss erklommen wir die Wartburg, wo Luther die Bibel in die deutsche Sprache übersetzte und Burschenschaftler später von einem geeinten Deutschland träumten. Wo Minnesänger im Wettstreit standen und Spätromantiker das Mittelalter verklärten – vielleicht sogar verkitschten.

                                                         

Großzügig gefördert durch die Konrad-Adenauer-Stiftung reisten wir mit drei Fragen nach Thüringen. Mit wesentlich mehr kehren wir wieder zurück an den Rhein. Hinzu kam da und dort ein kleiner Bauchansatz, denn die Thüringer Rostbratwürste waren köstlich. Anders als die meisten Orte in Weimar gehörten diese Fleischkunstwerke unverständlicherweise nicht zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Fall des Dialektes ist das eher nachvollziehbar.

Dr. Holger Braune